Ein Jahr danach – Wiedersehen und Präsentation in Dresden

Präsentation an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden

Geweckte Erinnerungen, großes Interesse und ein reger Austausch sind das Ergebnis der Projektpräsentation an der Palucca Hochschule. Für die Präsentation war Dr. Bettina Bläsing Ende September in Dresden zu Besuch. Unter der Überschrift „Motor Learning in Dance“ stellte sie den Tanzstudierenden des Abschlussjahrganges und Teilnehmern des Forschungsprojektes erste Ergebnisse und Hintergründe der interdisziplinären Studie vor.

Erinnerungen werden wach

„Stand facing the front left diagonal of the room in first position.“ Als die verbale Instruktion aus dem Experiment vorgespielt wurde, ging ein Raunen durch den Saal. Sofort wurden bei den Studierenden die Erinnerungen an das Experiment wach. Mit der Aufforderung „At the same time extend your left leg forward und your two arms sideways“ erhoben sich zahlreiche Arme in die Höhe. Ein Einstieg, der nicht nur bei den ehemaligen Teilnehmern des Experimentes funktionierte, wie Bettina Bläsing verriet. Auch bei ihrer Präsentation auf einem wissenschaftlichen Kongress habe das Publikum mit Enthusiasmus versucht, den verbalen Anweisungen zu folgen.

Forschung braucht Zeit

Übersichts Projektverlauf

Übersicht über den Verlauf des Projektes

Anschließend sprach Dr. Bettina Bläsing über Hintergrund und Verlauf des Projektes. Mittlerweile ist ein ganzes Jahr vergangen, seit die Studierenden im Labor in Bielefeld standen. Für Bettina Bläsing begann das Abenteuer, wie sie es selbst bezeichnet, bereits vor zwei Jahren. Abenteuer deshalb, weil am Anfang des Projektes nicht, wie sonst üblich, eine Forschungsfrage stand. Die Frage war vielmehr, ob Tänzer und Wissenschaftler gemeinsam ein Forschungsprojekt planen und durchführen können, das für beide Seiten gleichermaßen interessant ist. Beim Rückblick auf die Geschichte des Projektes wurde klar, warum dieser zeitliche Vorlauf von einem Jahr notwendig war. Die größte Herausforderung lag im Finden einer Forschungsfrage, die im Zuge der Zusammenarbeit gemeinsam entwickelt werden sollte. Dabei mangelte es keineswegs an interessanten Fragen. Die Schwierigkeit war vielmehr, diese so zu reduzieren, dass eine durchführbare Studie entwickelt werden konnte. Aufwendig war zudem die Erstellung des Stimulusmaterials. Schließlich mussten bei der Planung des Versuchsablaufs zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Wie oft präsentiert man das Material? Wie viel Zeit erhalten die Probanden? Welche Anweisung gibt man ihnen?

Forschung macht Spaß

Publikum bei der Präsentation

Das Publikum: Die Teilnehmer der Studie, Tanzstudenten des jetzigen Abschlussjahrgangs der Palucca Hochschule

Nach der Zusammenfassung des Projektverlaufes gab Dr. Bläsing einen Überblick über die im Experiment erhobenen Daten und den Stand der Auswertung. Dabei entstand bei den Studierenden der Wunsch, die Videoaufnahmen von sich selbst zu sehen. Jeder von ihnen war bei der Datenerhebung viermal aufgenommen worden, bei beiden Sequenzen jeweils nach dem ersten und nach dem zweiten Lernschritt. Diese Videos hatten sie bisher noch nicht gesehen. Dementsprechend groß war das Interesse an den Aufnahmen. Wer von den Anwesenden sein Okay gab, dessen Video wurde vorgeführt. Nachdem der erste Freiwillige gefunden war, gaben nach und nach alle anderen ihre Erlaubnis, das Video abzuspielen. Die Videos lösten große Begeisterung aus und wurden mit Applaus belohnt. Dabei war es für die Studierenden sowohl spannend zu beobachten, wie die anderen mit der Aufgabe umgegangen sind, als auch sich selbst zu sehen und dabei festzustellen, wie sie sich seitdem entwickelt haben.

Was würdet ihr anders machen? – Tanzstudenten als Forscher

Dr. Bettina Bläsing bei der Präsentation

Dr. Bettina Bläsing bei der Präsentation

Dann bat Bettina Bläsing die Studierenden, sich in die Lage des Projektteams zu versetzen. Sie sollten überlegen, was sie bei einer Wiederholung der Studie anders machen würden oder welche Ideen sie für weitere Studien haben. Die folgende Diskussion machte das große Interesse der Studierenden an dem Projekt deutlich. Sie brachten viele Ideen und Vorschläge ein. Wie wäre es, wenn die Instruktionen nicht von einer Aufnahme kämen, sondern von einem anwesenden Lehrer? Was passiert, wenn man die Tänzer bittet, während der Instruktion still zu stehen und nicht zu markieren? Interesse bestand auch an den Motion Capture Aufnahmen: Würden die Tänzer sich selbst anhand des virtuellen Modells erkennen?

Ergebnisse und Fazit

Im Laufe der Diskussion stellte sich heraus, dass die geplanten zweieinhalb Stunden für Präsentation und Austausch nicht ausreichen. Zum Abschluss konnte Dr. Bettina Bläsing nur einen Teil der Ergebnisse vorstellen, die in erster Linie die Auswertung der Fragebögen betrafen.

Die Präsentation, bei der alle Beteiligten noch einmal zusammen kamen, stellte den vorläufigen Abschluss des ursprünglichen Projektes dar. Die Frage, ob Tänzer und Wissenschaftler gemeinsam ein Projekt entwickelt können, dass sowohl für die Wissenschaft als auch die tänzerische Praxis interessant ist, konnte mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Gleichzeitig wurde klar, dass dieses Projekt ein erster Schritt ist, der viel Potenzial für weitere Auswertungen und auch weitere Projekte bietet.

Alle Beteiligten waren sehr dankbar, dass dieses Treffen stattfand. Das Projektteam war besonders von dem großen Interesse und der hohen Motivation der Studierenden beeindruckt. Die Studierenden wiederum hatten besonders viel Spaß beim Anschauen der Videos. Außerdem war es für sie interessant, mehr über die Hintergründe des Projektes zu erfahren.

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