Der lange Weg eines Forschungsprojektes

28. September 2012: Während des dritten Arbeitstreffens der Forschungsgruppe Dance Engaging Science wurde die Idee für das gemeinsame Forschungsprojekt geboren. Doch bis zum wichtigen Schritt der Datenerhebung sollte ein ganzes Jahr ins Land ziehen. Ein intensives Jahr voller Fragen, Ideen, Missverständnisse und Kompromisse. Und allen Beteiligten wurde klar: Es bedarf viel Zeit und Ausdauer um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt auf die Beine zu stellen. 

Die Grundidee war rasch klar: Gemeinsam wollte das Team eine Studie zum Lernen im Tanz durchführen. Doch wie diese Studie konkret aussehen soll, welche Fragestellung sowohl für den Tanz als auch für die Wissenschaft interessant ist und wie diese dann mit wissenschaftlichen Methoden untersucht werden kann, das alles musste erst gemeinsam abgestimmt und erarbeitet werden.

Erste Etappe – Entwicklung der Fragestellung

Dezember 2012: Kurz vor den Weihnachtsferien kam Frau Dr. Bettina Bläsing erstmals nach Dresden an die Palucca Hochschule für Tanz. Mit ihrem Vortrag zum Thema „Motorisches Lernen im Tanz – von Strukturen im Gedächtnis zur perfekten Pirouette“ gab sie den Tanzstudenten der Hochschule einen Einblick in ihre Arbeit. Im Rahmen dieses Vortrags fand auch das erste Treffen des gesamten interdisziplinären Forschungsteams statt. Dr. Bettina Bläsing, Prof. Jenny Coogan, Prof. José Biondi und Dr. Liane Simmel begannen an der Entwicklung einer gemeinsamen Studienfragestellung zu arbeiten. Und hier zeigte sich gleich die erste Hürde: Um streng wissenschaftlich arbeiten zu können, bedarf es einer klaren und gleichzeitig reduzierten – damit überhaupt wissenschaftlich messbaren – Fragestellung. Doch Tänzer sind gewohnt komplex zu arbeiten, praktisch auszuprobieren und das sichtbare Ergebnis weiter zu entwickeln. Auch das ist eine Form von Forschung, jedoch weit weg von dem, was in der Wissenschaft als Forschung bezeichnet wird. Zudem haben Tänzer meist sehr komplexe Fragen und erhoffen sich darauf auch komplexe Antworten. Keine leichte Anforderung an die Wissenschaft! So dauerte es denn auch zwei Tage bis eine erste gemeinsame Rohversion gefunden wurde: Drei unterschiedliche Fragestellungen, die sowohl für Tänzer und Tanzpädagogen von Interesse sind als auch mit wissenschaftlichen Methoden untersucht werden können.

Tanzstudenten als Versuchspersonen

Frühjahr 2013: Es dauerte bis ins Frühjahr 2013 bis die Forschungsfrage so weit eingeengt war, dass an eine konkrete Logistik für die Datenerhebung gedacht werden konnte. Rasch stand fest, dass eine Klasse von Tanzstudenten der Palucca Hochschule als Teilnehmer für die Studie zur Verfügung steht. In einer Projektwoche Anfang Oktober 2013 könnten sie nach Bielefeld kommen um dort im Biomechaniklabor an der Datenerhebung teilzunehmen.

Klärung des Studienaufbaus

Sommer 2013: Alle weiteren Absprachen zum Projektverlauf mussten von den Beteiligten per E-Mail, Skype-Sitzung und Telefon getroffen werden. Persönliche Treffen waren aus Zeit- und Kostengründen nicht möglich. So wurde quasi auf Distanz von allen Seiten intensiv weiter an der Forschungsfrage gearbeitet, bis im August 2013 das Studiendesign feststand.

Beim Erlernen von Choreografien wird Sprache meist nur zur Untermalung von Bewegungen angewandt: Der Tänzer sieht die Bewegung und bekommt gleichzeitig oder im Anschluss sprachliche Informationen dazu. Doch was passiert, wenn man die Sprache in den Vordergrund rückt, wenn Bewegung ausschließlich über Sprache vermittelt wird und das visuelle Modell komplett wegfällt? Um die Rolle von sprachlichen und visuellen Informationen beim Lernen im Tanz zu untersuchen, hat die Forschungsgruppe ein Studiendesign entwickelt, in dem die beiden Modalitäten entkoppelt sind. Einmal hören die Probanden lediglich eine verbale Beschreibung einer Bewegungsfolge, um diese zu lernen. Ein andermal sehen sie nur ein visuelles Modell der Bewegung. Erst in einem zweiten Schritt sehen bzw. hören sie die jeweils andere Modalität als Zusatzinformationen.

Unter dem Titel „Bewegungslernen im Tanz“ war aus der vagen Idee, die unterschiedlichen Ressourcen zu nutzen und „etwas zusammen zu machen“, eine konkrete Studie geworden, in der das Lernen anhand sprachlicher Informationen mit dem Lernen anhand visueller Informationen verglichen wird.

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